Lingy-Hop & Swing

Die 30er Jahre - wie sich Tanzen und Musik unter dem Gesichtspunkt der politischen Gleichschaltung veränderten

Tanzen ist etwas lebensbejahendes. Ein Ventil, um der inneren Stimmung freien Ausdruck verleihen zu können. Doch wie hat sich Tanzen und Musik in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland verändert? Gab es noch die Möglichkeit freien Ausdruck seiner Selbst durch Musik zu finden oder ist auch der Tanz und die Musik der nationalsozialistischen Wertepolitik zum Opfer gefallen? Die 30er und 40er Jahre sind als eines der dunkelsten Kapitel in die deutsche Geschichte eingegangen. Von der Machtergreifung 1933, über den Kriegsbeginn 1939, bis hin zum Ende des Krieges und der weitgehendenZerstörung Deutschlands 1945, hat sich viel verändert. Ausgewirkt hat sich dies auf die Kultur und die Musik.

1933 - Anfang der politischen und kulturellen Gleichschaltung

In den 20er Jahren blühte Deutschland auf. Alles was man zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Kaiserzeit und den Krieg verpasst hatte, wollte man nun aufholen. Mit der Weimarer Republik als erste demokratische Verfassung des Landes fühlte man sich nun nicht mehr allzu reaktionär und orientierte sich so mehr und mehr an westlichen Werten.

Gerade in dieser Zeit wurde der Swing in den USA immer populärer und schwappte auch nach Deutschland. Berlin war damals der Treffpunkt aller neuen Strömungen und stand mit seinem exzessiven Nachtleben exemplarisch für die neu gewonnene Freiheit. Doch am 30. Januar 1933 unterbrach die Machtergreifung der Nationalsozialisten diese Stimmung jäh. Wichtigste gesetzliche Grundlage aller jetzt folgender Schritte war das Ermächtigungsgesetz, das am 24. März 1933 beschlossen wurde, und das Hitler die Macht zusicherte, um seine Pläne umzusetzen.

Die Beseitigung des Pluralismus begann recht schnell. Ein wichtiges Instrument hierbei war die Abschaffung der Pressefreiheit. Den Menschen wurde fortan also in den Medien nur noch eine vorgekaute Meinung präsentiert, die jegliche Ansätze zum kritischen Denken sofort unterdrückte. Gleichschaltung kann man also so verstehen, dass die Menschen in Deutschland nur noch in einem bestimmten Mikrokosmos leben sollten, in dem sie gar nicht die Möglichkeit hatten mit einer anderen ideologischen Einstellung konfrontiert zu werden, als mit der des Nationalsozialismus. Alles andere wurde verboten. So sollte das Volk zu einer Einheit mit einer gleichen Meinung werden, in der jegliche Kontroverse nicht möglich war und auch gar nicht benötigt wurde.

Dies betraf dann unter anderem Vereine, wie den ADAC, staatliche Organisationen, wie die "Hitler-Jugend", den "Bund Deutscher Mädel", in welchen bereits die Kinder keine andere Einstellung als den Nationalsozialismus vorgelebt bekamen. Auch die Organisation Kraft durch Freude, die den Menschen Ferienaufenthalte ermöglichte, war staatlich gelenkt.

Die Gleichschaltung betraf also alle Bereiche des Lebens, wie Kino, Zeitung, Theater und eben auch Rundfunk und Musik.

Musik im Nationalsozialismus

Wie bereits angedeutet ist die Musik den Zielen des nationalsozialistischen Regimes zum Opfer gefallen. Besonders klassische Musik war in der Führungsebene des Regimes sehr beliebt. Allein aus dem Grund, dass viele Komponisten Deutsch waren, wurde dadurch die Überlegenheit des "Deutschen Volkes" untermauert. Der Inhalt der Stücke, wie etwa Beethovens "Fidelio", ist den Zielen der NS-Führung entsprechend interpretiert worden.

Zudem wurde von der nationalsozialistischen Führung klar vorgegeben welche Musik "wahr deutsch" und welche "entartet" war. Musik aller Komponisten, die sich ideologisch nicht der Obrigkeit unterstellten, zählte zu letzterem. Die Musik aller Komponisten mit jüdischer Herkunft wurde verboten.

Aber wie haben es die Nationalsozialisten geschafft den Musikgeschmack der deutschen Bevölkerung umzustimmen?

Wie bereits angedeutet war der Swing in den 20er Jahren von Amerika nach Deutschland gekommen und hatte sich fortan besonders in der Jugend großer Beliebtheit erfreut. Dementsprechend schwer vorzustellen ist es, dass man diese dynamische, neue Musik von heute auf morgen aus der Gesellschaft verbannen würde können. Und man hat dies auch nicht geschafft. Der Jazz und Swing war zwar als "artfremde Musik" eingeordnet, wurde aber erstmal geduldet. Dies lief im Rundfunk nur unter bestimmten Vorbehalten. So musste die amerikanische Herkunft nihiliert werden und offiziell als deutsche Musik, die rhythmisiert wurde, bezeichnet werden.

Neben Swing war insbesondere auch der Tanzschlager in Deutschland sehr beliebt. Das war die Massenmusik, die das Musikbild im Rundfunk besonders geprägt hat. Unterhaltungsmusik hatte einen immensen Stellenwert im nationalsozialistischen Regime. Gerade zur Ablenkung von den Problemen des Alltags wurde diese Musik vermehrt genutzt.

Die Rolle der "Reichsmusikkammer"

Eine besondere Rolle kommt in diesem gesamten Zusammenhang der "Reichsmusikkammer" zu, der alles in Bezug auf Musik im Deutschen Reich unterstand. Die Einteilung in "wahre" und "entartete" Musik wurde von ihr vorgenommen. So war die "Reichsmusikkammer" auch dafür verantwortlich, dass Swing-Tanzen 1940 verboten wurde und die sogenannte Swing-Jugend öffentlich nicht weiter geduldet war.

Die Swing-Jugend

Es gelang den Nationalsozialisten nicht gänzlich den Swing aus der Gesellschaft, insbesondere der Jugend, zu vertreiben. Obwohl Swing-Tanzen öffentlich verboten war, organisierten die Jugendlichen private Partys, auf denen exzessiv getanzt wurde. Diese Generation wurde als "Swing-Kids" bekannt. Der Inhalt der Musik und das rhythmische Tanzen passte nicht in die nationalsozialistische Ideologie. Mit Razzien wurden die Swing-Partys durch die Führung des Öfteren gestürmt und beendet.

Die Swing-Kids selbst waren aber kein Teil des politischen Widerstands. Oft waren Sie trotzdem Mitglied in den Jugendorganisationen, wie der "Hitler-Jugend" oder dem "Bund Deutscher Mädel". Der große Unterschied war, dass sie sich nicht der Ordnung, die von der Führung diktiert wurde, unterwerfen wollten. Ihr Lifestyle, der lockerer und progressiver war, ließ sich nicht mit dem konservativ, ordentlichen der politischen Führung vereinbaren und drückte sich im Swing aus.

Auch äußerlich unterschieden sich die Swing-Kids von anderen Jugendlichen. So waren bei Jungen lange Haare ein Merkmal und Frauen schminkten sich aufreizend. Beides war in der NS-Führung verpönt. Bei all dem sollte man nicht unterschätzen, dass die Swing-Anhänger nach 1940 ein sehr gefährliches Leben geführt haben. Ab diesem Jahr wurden vermehrt Swing-Kids verfolgt und in Arbeitslager für Jugendliche verbracht. Gerade gesellschaftlich schlechter gestellt Jugendliche traf dies oft. Die Jugendlichen litten unter den schlechten Zuständen in den Arbeitslagern so sehr, dass viele aufgrund von Mangelernährung und schlechter medizinischer Versorgung ihr Leben für ihre musikalische Einstellung ließen.

Was also hat die NS-Geschichte mit der Musik gemacht?

Fest steht, dass durch die nationalsozialistische Herrschaft die natürliche Entwicklung der Musik in Deutschland gestört wurde.

Der Swing war bereits in den 1920er Jahren in Deutschland angekommen. Die Menschen genossen die neuen westlichen Klänge und blickten in eine Zukunft, in der sie frei über ihr Leben entscheiden konnten. Ausdruck dafür war der Swing.

Dies wurde dann ab 1933 immer weiter eingedämmt. Kreative und lebenslustige Strömungen wurden untersagt. Hier erscheint einem die Vorstellung, dass aus einem farbigen Bild einer deutschen Großstadt nun ein schwarz-weiß Foto geworden ist, auf dem alle Menschen nur noch mit gesenktem Kopf laufen können, passend. Dieses, im wahrsten Sinne des Wortes dunkle Bild konterkariert die Situation damals in Deutschland gut. Tanz und Musik machten keinerlei Evolution, sondern Rückschritte, und mussten nach ´45 erst wieder mühsam aufgebaut werden.


Letzte Änderung: 29.11.2018

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