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Das Frauenbild der 50er: zwischen Emanzipation und Rollenbild

Die 50er sind das Symbol für Rockabilly-Mode, Rock 'n' Roll als Tanz- und Musikbewegung und für den Aufschwung der Wirtschaft nach dem Krieg. Aber die 50er hatten nicht nur ihre goldenen Seiten. Besonders als Frau hat man es nicht leicht gehabt. Auf der einen Seite hatte man die typischen Erwartungen an die weiblichen Mitmenschen. Auf der anderen Seite begannen aber auch viele Frauen, sich diesen Konventionen zu entziehen. Die 50er Jahre sind in vielerlei Hinsicht ein Jahrzehnt des Umbruchs gewesen.

Die Rolle der perfekten Frau

In den 50er Jahren hat man gesagt:

Eine Frau hat sich im Leben zwei Fragen im Leben zu stellen. Die Erste: Was soll ich anziehen? Die Zweite: Was soll ich kochen?

Die Vorstellungen der Gesellschaft an eine Frau der 50er Jahre waren klar definiert. Ein Mann sollte furchtlos in die Welt ziehen und Karriere machen. Die Frau sollte sich um das Haus, die Kinder und um ein deftiges Essen sorgen. Jedoch haben die Frauen in der Nachkriegszeit durch die Mitwirkung am Wiederaufbau und am Wirtschaftswunder auch eine andere Seite des Lebens entdeckt: die Selbstverwirklichung und den Effekt respektabler Arbeit.

Viele Frauen hat es deshalb nicht mehr erfüllt, einfach nur zu putzen, zu kochen und Kinder zu kriegen. Gerade auch aufgrund der Rock' n' Roll-Ära wollten viele Frauen und junge Mädchen an der Gesellschaft in einer anderen Weise teilhaben. Auch Frauen wollten tanzen, lachen und am Besten auch einen Beruf ausüben dürfen. Jedoch sollte das Wohl des Mannes ein höheres Gut darstellen. Die Bedürfnisse einer Frau waren damals einfach nicht wichtig genug. Die Bibel einer jeden guten Hausfrau sollte der "Good House Wife's Guide" von 1955 sein. Darin stand alles, was eine Frau tun und denken sollte.

Die Aufgabe der Rechte mit der Eheschließung

Schon 1949 ist im Grundgesetz festgelegt worden, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Aber die Wirklichkeit sah in den 1950er Jahren ganz anders aus. Mit der Eheschließung verloren die Frauen ihre Rechte über die wesentlichen Dinge des Lebens:

  • Die Ehemänner konnten einfach so den Job der Frau kündigen.
  • Auch über das Vermögen ihrer Frauen konnten sie verfügen.
  • Nicht einmal den Führerschein durften Frauen ohne die Zustimmung der Männer machen.
  • Wenn der Frau alles zu bunt wurde und die Scheidung einreichte, beispielsweise weil ihr Mann eine Affäre hatte oder sie schlug, dann hat die Frau dennoch die Schuld am Scheitern bekommen. Folglich hatte die Frau kein Recht auf Unterhalt. Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Ruin war vorprogrammiert.

Deshalb musste die Frau alles in ihrer Macht stehende tun, um die Ehe am Laufen zu halten. Dafür gab es den "Good House Wife's Guide".

Was der "Good House Wife's Guide" vermittelt hat

Im Grunde genommen stand in diesem Buch alles, was eine damals respektable Frau zu tun hatte. Und am Wichtigsten: wie sie ihren Mann glücklich zu machen hatte.

Die wichtigsten Regeln im Überblick:

  • "Wenn dein Mann nach Hause kommt, dann hat er Hunger und will mit einem guten Essen zu Hause begrüßt werden."
  • "Bevor dein Mann nach Hause kommt, ruhe 15 Minuten, damit du für seine Heimkehr frisch bist. Trage ein wenig Make-up auf und bringe dein Haar in Ordnung, damit du für ihn hübsch bist."
  • "Sei für deinen Mann stets interessant. Bring Schwung in sein Leben, wenn er abends Feierabend hat. Darin besteht deine Aufgabe."
  • "Bevor er nach Hause kommt, räum auf und mache Ordnung. Eine Runde durchs Haus, sollte zur Kontrolle stets gemacht werden."
  • "Auch die Kinder müssen auf des Vaters Ankunft vorbereitet sein. Nimm dir die Zeit, um den Kindern Hände und das Gesicht zu waschen. Auch das Haar muss gut durchgebürstet werden. Wenn nötig, dann wechsle ihre Kleidung."
  • "Sorge für Ruhe wenn er nach Hause kommt. Vermittle auch den Kindern, dass sie still zu sein haben."
  • "Freue dich merklich, wenn du ihn siehst. Schenke ihm ein warmes Lächeln."
  • "Wenn er nach Hause kommt, dann lasse ihn zuerst sprechen. Auch wenn du bestimmt viel zu berichten hast: denke daran, dass seine Themen und Erzählungen wichtiger sind als deine."
  • "Auch wenn er mal später nach Hause kommt, beschwere dich niemals. Auch nicht, wenn er die ganze Nacht weg bleibt. Es ist seine Entscheidung und seine Freiheit, bei dem was vermutlich den ganzen Tag durchsteht."
  • "Mach es ihm schön gemütlich. Bereite einen Drink vor für deinen Mann. Er soll sich im einem Stuhl zurücklehnen oder sich hinlegen können. Dann richte sein Kissen und ziehe ihm auch die Schuhe aus, wenn er es wünscht."
  • "Sprich ihn nur mit ruhiger und angenehmer Stimme an."
  • "Stelle ihm nicht zu viele Fragen. Vergiss niemals, dass er Herr des Hauses ist. Du hast kein Recht, ihn zu hinterfragen."
  • "Vergiss auch das Wichtigste nicht: eine gute Frau kennt ihren Platz."

Das alles klingt aus heutiger Sicht unglaublich. Viele Frauen haben in den 50er Jahren allmählich damit angefangen, sich gegen diese verrückten Konventionen aufzulehnen. Auch wenn es für die meisten Frauen dennoch schwer war.

Die ersten Schritte zum modernen Frauenbild

In der Mode begann zunächst eine kleine Revolution. Der klassische Rockabilly-Look mit den feschen Cocktailkleidern, knielangen Röcken und dem dynamischen Tanz zur fetzigen Musik von Jerry Lee Lewis, Buddy Holly und Elvis läuteten den Wandel der Zeit ein. Insbesondere die durch die Last der Nachkriegszeit und deren Aufarbeitung schwer belastete deutsche Jugend hat diesen neuen Musikstil begeistert angenommen. Dieses Lebensgefühl schürte in vielen Frauen die Rebellin. Damit begann das eigentliche Umdenken. Trotzdem war es ein langer Weg bis zur heutigen Gleichberechtigung. Frauen in ganz Deutschland verlangten nach einer Arbeit und nach Selbstbestimmung.

Die Anfänge der Gleichberechtigung

1958 Schluss kippte das "Letztentscheidungsrecht" des Mannes endlich. Damit war ein erster Schritt für die Selbstbestimmung der Frauen getan. Doch bis zur Gleichstellung war der Weg noch weit. Das Frauen in der Lage waren hart zu arbeiten, war Mitte der 1950er Jahre keine Neuigkeit mehr. Denn es sind die Frauen gewesen, die durch zwei Weltkriege hinweg die globale Wirtschaft geschmissen und vorangetrieben haben.

Schluss endlich

Bis heute gibt es immer noch Diskusionen um die Gleichberechtigung. Auch heute ist dieser Prozess nicht abgeschlossen. Aber ein Blick auf die Vergangenheit zeigt, was couragierte Frauen damals für den heutigen Stand der Dinge getan haben.

Viele Gegebenheiten von früher klingen jetzt unglaublich. Heutzutage ist die Selbstbestimmung weitestgehend normal geworden. Und das ist auch gut so!


Letzte Änderung: 06.06.2018

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