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Die Milchbar - Die Entstehung eines Lebensgefühls

Viele unserer Großeltern werden es noch erlebt haben: Die Milchbar. In den 1950er Jahren sind die sogenannten Milchbars entstanden. Diese waren eine Art Kneipen- oder Barersatz. Allerdings gab es dort wie zu erwarten keinen Alkohol, dafür qualmten aber die Zigaretten. Auch heute gibt es immernoch ein paar Lokale, die die Atmosphäre aus den legendären 50er Jahren aufrechterhalten wollen. Allerdings erinnert meist nur die Jukebox an die Originalen. In den ursprünglichen Milchbars lief die Jukebox pausenlos und die Teenager mit der Pilzkopf-Frisur nippten an Milchshakes oder haben von Milcheisbechern mit Sahne und einer Kirsche oben drauf gegessen. Aber was macht eine richtige Milchbar in den 50er Jahren überhaupt aus?

Die Milchbar - Die Entstehung eines Lebensgefühls
Bild: Die Milchbar - Die Entstehung eines Lebensgefühls

JugendIiche in den 50er Jahren hatten oftmals wenig Möglichkeiten, sich zu treffen. Denn es war vor den Erwachsenen aus schicklich, sich als junges Mädchen mit gleichaltrigen Jungs nur unter Aufsicht zu treffen. Das ist der Hauptgrund, weshalb die Milchbar in den 50ern so beliebt als Treffpunkt für die Jugend gewesen ist. Auch wenn der Name "Milchbar" eher an eine Art Kneipe erinnert, ist es dennoch keine. Es ist eher so etwas wie eine Bar für Milchvariationen gewesen, es gab dort Milchrezepte in allen erdenklichen Variationen zu bestellen. Hier in Deutschland war der Ausschank von Alkohol erst an Personen ab 21 Jahren legal. Aus diesem Grund ist der Begriff der Milchbar entstanden, da dieser schicker war.

Milchvariationen in Milchbars

Nicht nur der Milchshake ist hier serviert worden. Folgende Getränke sind dort gern bestellt worden - sozusagen die Bestseller:

  • Honigmilch
  • Erdbeermilch
  • Shakes aller Art
  • Lassi (mit Frucht)
  • Bananenmilch
  • Vanillemilch
  • uvm.

Zusätzlich wurden auch Eisbecher, Milchreis, Milch pur und Kaffeegetränke serviert.

Der Treffpunkt für junge Erwachsene und Jugendliche

Die ersten Milchbars öffneten in Deutschland ihre Pforten erst in den 50er Jahren, denn in den späten 40er Jahren war Milch noch Mangelware, da der 2. Weltkrieg erst kurz zuvor beendet wurde.

Nicht nur in den USA benötigten die jungen Menschen (Teenager) einen Ort, an dem sie mit Gleichaltrigen in Kontakt treten konnten, ohne dabei gesellschaftlich in Verruf zu geraten. Gerade der Kontakt zum anderen Geschlecht stand im Vordergrund. Nicht umsonst hat man diese Dekade auch "die Prüden 50er" genannt. In einer Milchbar konnten sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen also ganz offiziell Treffen.

Milchbars im Nachkriegsdeutschland

Gerade zu Zeiten des Nachkriegsdeutschlands benötigten viele Menschen eine willkommene Abwechslung zu ihrem Alltag. In Deutschland erholte sich die Wirtschaft unglaublich gut und schnell vom Krieg. Damit wuchs auch das Verlangen auf eine aufregende Freizeitbeschäftigung.

Für die meisten Jugendlichen war die Milchbar somit ein kleines Stück Zukunft mit einer verheißungsvollen amerikanischen Atmosphäre. Der Stil einer typischen Milchbar ist der eines original amerikanischen Diners gewesen. Die Jukebox und der Rock'n'Roll durfte dabei nicht fehlen. So wurde auch gern in der Milchbar zu der neuen, amerikanischen Musik getanzt. Viele Erwachsene sahen aufgrund dieser Dinge, die eine Milchbar auszeichnete, einen einschlägigen Beweis für die schlechten Auswirkungen der "Amerikanisierung" auf ihre Kinder. Dabei hat der Ursprung der Milchbar gar nicht viel mit Amerika zu tun.

Milchbar - eine griechisch-amerikanische Erfindung?

Viele denken bis heute, dass die Milchbars in Amerika aufgrund der Prohibition in den 1930er Jahren entstanden sind. Es lässt sich historisch belegen, dass die erste Milchbar im November 1932 eröffnet hat. Dabei handelt es sich um die legendäre Black & White 4d. Milk Bar in Sidney. Der Besitzer ist allerdings kein Amerikaner oder Australier gewesen. Der Besitzer der ersten Milchbar, Joachim Tavlaridis oder auch Mick Adams, ist tatsächlich ein griechischer Geschäftsmann. Er wanderte nach Australien aus um dort Geschäfte zu machen. Die Idee dazu entstand aus seiner Überzeugung, die in der Mäßigung liegt. Er hat nicht viel vom Alkoholkonsum gehalten.

Die Grundidee zur klassischen Milchbar ist Adams während einer Amerikareise gekommen. Das Konzept an sich ist zu diesem Zeitpunkt in Amerika unbekannt gewesen. Zu der Zeit gab es in Amerika viel mehr sogenannte "Soda Drugstore Parlors" oder auch "Soda Shops". Hier konnten die Gäste im Stehen oder auf Barhockern eine Kleinigkeit zu sich nehmen. Auch Milchshakes und andere typische Snacks konnten hier bestellt werden. Jedoch verknüpfte man das Wort "Bar" immer mit Alkohol. Zumindest bis dahin.

Wie sich die Idee der Milchbar verbreitete

Die Black & White 4d. Milk Bar von Adams war in Sydney/Australien ein großer Erfolg. Gerüchten zufolge haben diese Milchbar allein am Eröffnungstag angeblich etwa 5000 Menschen besucht. Daraufhin eröffnete Adams weitere Milchbars in weiteren australischen Städten. Dieses erfolgreiche Konzept von Adams ist später zahlreich adaptiert worden. Nach wenigen Jahren bereits zählte Australien mehrere tausend Milchbars im ganzen Land. Die ersten Milchbars in Amerika dagegen eröffneten erst in den 1940er Jahren.

Der Rock'n'Roll und alkoholfreie Getränke in Deutschland auf dem Vormarsch

In den 1950er Jahren waren Milchbars bei den deutschen Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Es entwickelte sich ein Szenetreffpunkt für die Rock'n'Roll-Anhänger und generell für die aufgeschlossene Jugend. Ein Grund dafür war, dass hier auch Minderjährige dort eintreten durften, da hier kein Alkohol ausgeschenkt wurde. Es hat die Geselligkeit, die Musik und den Tanz miteinander vereint ohne dabei zwielichtig zu sein. Ein besonderes Highlight stellte der klassisch amerikanische Einrichtungsstil dar, der besonders von den jungen Menschen gut ankam.

Passend dazu tönte natürlich die Musik von Elvis, Jerry Lee Lewis, Buddy Holly und anderen Rock'n'Roll Legenden aus der Jukebox. Diese Musik hat damals viele Menschen polarisiert. Daher wurde diese Art Musik nicht überall gespielt. Leider sind die meisten Milchbars in den 1960er Jahren von Eisdielen verdrängt worden, aufgrund der besonderen Atmosphäre wird die Milchbar aber auch heute noch von vielen vermisst.

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Milchbar heute

Heutzutage gibt es vereinzelt in Deutschland immer noch die eine oder andere Milchbar, sowohl die ganz klassische Version ohne Alkoholausschank als auch etwas abgewandelte Variation mit Alkoholausschank sind darunter vertreten. Aktuell sind etwa 30 Milchbars in Deutschland verzeichnet, darunter sind auch einige Lokale, die eher der klassischen Bar als einer richtigen Milchbar ähneln.

Eine "echte" Milchbar mit einem Flair der 50er Jahre im Retrodesign, einer alten Jukebox und dem entsprechenden Milch-Angebot sind aber höchst selten zu finden. Es mag sein, dass es den einen oder anderen Geheimtipp gibt. Jedoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass diese Form der Milchbar tatsächlich ausgestorben ist. Aber wer weiß, vielleicht feiert die klassische Milchbar doch eines Tages ein fulminantes Comeback.

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Letzte Änderung: 03.12.2018

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