Lingy-Hop & Swing

Der große Gatsby, die Roaring Twenties in Amerika

Was die wilden Zwanziger Jahre in Deutschland ausmachte fand zeitgleich in Amerika statt: Die junge Generation erlebte nach dem Ende des Ersten Weltkriegs eine Befreiung von Konventionen in fast allen Lebensbereichen. Zuversicht und Lebensfreude, ein blühendes kulturelles Leben, Mode und neue Freiheiten stehen für die Roaring Twenties in den Zwanziger Jahren in Amerika. Mit seinem Roman "Der große Gatsby" hat der amerikanische Schriftsteller F. Scott Fitzgerald ein eindrucksvolles Zeugnis dieser Zeit hinterlassen.

"Der große Gatsby" und der American Dream

Als Fitzgerald 1925 seinen berühmten Roman veröffentlichte, waren die Roaring Twenties auf ihrem Höhepunkt: Die amerikanische Wirtschaft boomte in nie da gewesener Weise. Hauptmotor der wirtschaftlichen Entwicklung war die Automobilindustrie. Durch die Einführung der Fließbandproduktion wurde das Auto für breite Bevölkerungskreise erschwinglich. Neuartig war auch die Ratenzahlung. Selbst Arbeiter und kleine Angestellte konnten ihre Träume verwirklichen.

Der amerikanische Traum fing mit dem Automobil an: Das Auto als Kultobjekt und Statussymbol! Rasant war in den Roaring Twenties auch die Medienrevolution. Ein Netz von Rundfunkstationen machte zwischen 1920 und 1926 den Radioempfang flächendeckend möglich. Abendfüllende Programme mit moderner Musik und Hörspielen schuf Unterhaltungsmöglichkeiten in nie dagewesener Weise. Freizeit und Unterhaltung bestimmten das Leben und brachen mit allen Konventionen. Einen ungeheuren Wachstumsschub erlebte jedoch die Filmindustrie. Nachdem 1927 die Warner Brothers Pictures ihren ersten abendfüllenden Tonfilm in die Kinos ("The Jazz Singer") gebracht hatten, boomte der Bau von Kinos. 1930 sollen durchschnittlich hundert Millionen Amerikaner einmal pro Woche ein Kino besucht haben. In den Hollywood Filmen ging es natürlich hauptsächlich um die wichtigsten Dinge im Leben: Liebe und Geld, hier war der amerikanische Traum zuhause.

"Der Große Gatsby" ist ein Sinnbild für die Roaring Twenties und erzählt gleichzeitig die Geschichte vom Scheitern dieses Traums. Die Hauptfigur des Romans ist der in die Oberschicht aufgestiegene Dandy Gatsby, der durch kriminelle Energie zu einem sagenhaften Reichtum gelangt ist. Das Zusammentreffen mit seiner Jugendliebe endet in einer Katastrophe.

"Der große Gatsby" ist in weiten Teilen geprägt von der Atmosphäre des American Dream: Reichtum lässt sich erarbeiten, auch auf nicht legalem Weg.

Gatsby lebt ihn exzessiv aus. Tagelange Partys auf seinem legendären Landsitz, Tage und Nächte mit Alkohol und Drogen, elegante Gäste, luxuriöse Automobile und die Faszination des Fliegens, natürlich mit dem eigenen Wasserflugzeug faszinieren die Leser.

"Der Große Gatsby" in der Traumfabrik Hollywood

Jeder, der sich mit den Roaring Twenties beschäftigt, hat die Bilder vor Augen, gut gekleidete attraktive junge Leute, die sich maßlos amüsieren. Dies ist nur zum Teil auf die Lektüre des Romans von Francis Scott Fitzgerald zurückzuführen. Weitaus mehr dürfte unser Bild von den Verfilmungen des Romans geprägt sein. Schon ein nach dem großen Erfolg des Buches verfilmte Hollywood die Geschichte. Die Bilder des Films prägten die Epoche. Angefangen von der Kleidung der Protagonisten bis hin zu deren mondänen Partys.

Vor allem für Frauen bedeutete die Zeit nach dem ersten Weltkrieg eine Befreiung von vielen Konventionen. Der Kleidungsstil wurde komplett umgekrempelt: das bis dahin obligatorische Korsett, das eine schlanke Taille suggerieren sollte, wurde als Sinnbild für die Befreiung der Frauen ersatzlos aus den Kleiderschränken verbannt. Der Rocksaum wanderte bis hinauf ans Knie. Die Kleider fielen locker um den Körper, um die Hüften eine Schärpe oder ein locker sitzender Gürtel. Für Männer war natürliche der Anzug obligatorisch, gerne im Nadelstreifen-Design mit breitkrempigen Hut, das Outfit also im Stil der Chicagoer Gangster.

Elegant wurde es auf den Partys des Großen Gatsbys. Die Damenkleider kompensierten den einfachen losen Schnitt mit kostbaren Stoffen, Pailletten, Fransen und Federn. Mit den passenden Accessoires sahen die Damen endgültig aus wie Filmstars: Diamant Tiara, lange Perlenkette und reichlich Goldschmuck war obligatorisch bei rauschenden Parties.

Das neue Lebensgefühl der Frauen

Nicht nur die Kleidung befreite die Frauen aus dem Korsett von Konventionen von Familie und Kirche. Sinnbild für die emanzipierte Frau wurde der Bubikopf. Auch bei der Frisur galt: Weg mit den alten Zöpfen!

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung bekamen mehr Frauen Zugang zu Bildung, Studium und Möglichkeiten zur Berufstätigkeit. Diese neue Freiheit schlug sich auch in der politischen Möglichkeiten: das Frauenwahlrecht wurde 1920 eingeführt.

Luxus, Exzesse als neue Freiheit

Als Zeichen der Befreiung der Frau gilt im Film die elegante Zigarettenspitze in den Roaring Twenties. Rauchen in der Öffentlichkeit war für Frauen kein Tabu mehr, sondern Ausdruck von Emanzipation und Freiheit. Unwillkürlich hat man hier die Szene einer Femme fatale mit Federboa und langer Zigarettenspitze an einem schnittigen Auto lehnend vor Augen.

1919 war in den USA die Herstellung, der Transport und der Verkauf alkoholischer Getränke verboten. Ein Gesetz, das mit viel krimineller Energie konsequent unterlaufen wurde. "Der Große Gatsby" ist unter anderem mit Alkoholschmuggel zu seinem Reichtum gelangt. Auf seinen Partys fließt der Champagner in Strömen. Vermutlich handelte es sich um Schmugglerware aus Kanada.

In gelöster Stimmung tanzte man dann: Charleston, Lindy Hop und Shimmy.

Wirtschaftliche Voraussetzungen für die "Goldenen Zwanziger"

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges expandierte die Wirtschaft, möglich wurde das durch Neuerungen in Produktionsverfahren, aber auch durch den Massenkonsum, den die Menschen aller Bevölkerungsschichten teilten:

  • Einführung der Fließbandfertigung
  • erstmals Verbraucherkredite
  • gut verdienende Arbeiter und Angestellte
  • Frauenerwerbstätigkeit

Der "Große Gatsby" zeigt aber auch die Schattenseiten auf: Kriminalität, Drogen- und Alkoholsucht

Wenn man den Roman liest, oder eine der der drei Verfilmungen (1926, 1949 und 1974) ansieht, überwiegt aber eins: Das überbordende Lebensgefühl einer ganzen Generation. Beim Anblick der Bilder von weißer Eleganz swingst Du unwillkürlich mit. Jazz und Swing drücken pure Lebensfreude aus. Nicht nur in Amerika, auch in Europa und auch noch im 21. Jahrhundert.


Letzte Änderung: 29.11.2018

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